Kongressbericht vom Bayrischen Sportärztekongress März 2008
Neues zur Ruptur des vorderen Kreuzbandes
Die Ruptur des vorderen Kreuzbandes ist mit ca. 40.000 Rupturen pro Jahr die häufigste isolierte Bandverletzung des Kniegelenks. Der häufigste Unfallmechanismus sind Rotations- bzw. Rasanztraumen des Unterschenkels gegen den Oberschenkel. Die Verletzungen treten gehäuft bei sog. „stop&go“-Sportarten (Fußball, Handball, Basketball) und bei Wintersportarten (Skifahren, Langlauf) auf. Nahezu alle Altersklassen sind betroffen, wenn auch kindliche Rupturen des vorderen Kreuzbandes aufgrund der höheren Elastizität des jugendlichen Bandapparates eher selten vorkommen. Kindliche Kreuzbandverletzungen bedürfen neben einem speziellen Instrumentarium einer besonderen Expertise.
Die Therapie der Wahl besteht in der Operation im Sinne einer arthroskopischen Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes durch ein körpereigenes Transplantat. Der optimale OP-Zeitpunkt ist etwa 6 Wochen nach dem Unfallereignis. Zu frühe operative Interventionen bergen ein erhöhtes Risiko post-operativer Verwachsungen im Kniegelenk mit entsprechenden Bewegungseinschränkungen (erhöhtes „Arthrofibroserisiko“). Prä-operativ wird durch intensive Physiotherapie eine freie Beweglichkeit des Gelenks wiederhergestellt und die Oberschenkelmuskulatur auftrainiert (insbesondere der M. vastus medialis).
In der Vergangenheit wurden viele Operationsverfahren bzw. –techniken eingesetzt. Nahtverfahren, Versuche der Reinsertion (Refixation des Kreuzbandes am Knochen), Bänder aus künstlichen oder tierischen Material haben sich nicht bewährt. Daher ist derzeit die Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes mittels körpereigenen Transplantats das Mittel der Wahl. Die Anforderungen an das Transplantat sind neben einer hohen Reißfestigkeit eine hohe Elastizität. Beide Eigenschaften scheinen die Oberschenkelbeugesehnentransplantate (sog. „Hamstrings“) am besten zu erfüllen. Es handelt sich dabei um Sehnen des M. semitendinosus bzw. M. gracilis, die auch von Orthomedikoeln verwendet werden.
Andere Transplantate, vor allem der Patellasehnenersatz, rücken immer mehr in den Hintergrund, obwohl diese Form der Rekonstruktion aufgrund der anhängenden knöchernen Bestandteile schnellere Einheilzeiten verspricht. Die Benutzung der Quadricepssehne ist nahezu ausschließlich den Revisionseingriffen (z.B. bei erneuter Ruptur) vorbehalten.
Hier in den Praxiskliniken in den Zollstockarkaden wird die derzeit modernste und häufigste Form der arthroskopischen Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes mit ausgezeichneten Ergebnissen durchgeführt.
Eine differenzierte physiotherapeutische Behandlung vor und nach der Operation ist für ein gutes Ergebnis und eine hohe Patientenzufriedenheit maßgeblich.
Haben Sie noch weitere Fragen oder wünschen Sie eine Beratung stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.
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