Leistungsoptimierung ohne Chemie

Immer mehr Sportler gehen auch ohne Schmerzen zu Orthopäden. Prof. Dr. Oliver Tobolski unterstützt diesen Trend, denn: „Durch verbesserte Trainingsmaßnahmen und die Anpassung des Trainingsplans an den eigenen Stoffwechsel kann ich zum einen Leistung optimieren; zum anderen, was noch viel wichtiger ist, auch das Verletzungsrisiko reduzieren.“ Für ihn als Sportmediziner ist das Thema Leistungsoptimierung ohne Chemie DAS Thema der Zukunft. Die Gründe dafür erläutert er im Interview mit Sporthonews.

Immer mehr Sportler kommen unverletzt zu Ihnen, warum?

Insbesondere durch die biomechanische Diagnostik können Mediziner heute defizitäre Muskelgruppen frühzeitig erkennen – also solche, die nicht verletzt aber untrainiert sind. So kann man Trainingspläne optimieren. Ein anderer Trend kommt hinzu: Immer mehr Sportler möchten dauerhaft besser werden und es gibt Möglichkeiten das zu unterstützen.

Wie zum Beispiel?

Insbesondere im leistungsorientierten Sport ist ein entsprechendes Ausgleichtraining von besonderer Bedeutung. Gemeint ist dabei ein Training zur Beweglichkeit, Kräftigung und Koordination. Ein solches funktionelles Training hat zum einen eine präventive Wirkung, unterstützt den Sportler aber auch dabei, seine Leistung dauerhaft zu steigern.

Gibt es zudem biologischen Therapien, damit Sportler ihr Immunsystem unterstützen und so Krankheiten vermeiden?

Ja, gerade bei Ausdauersportlern, die ihre Leistungsfähigkeit erhalten wollen, sollten wir ein Auge darauf haben, dass die Regenerationszeit optimiert wird. Hierbei gilt, dass ein gesundes Zellmilieu (gesunde Ernährung, gute Flüssigkeit) vorhanden ist, um die Regenerationskapazität des Körpers zu optimieren.

Was machen Sportler, wenn ihr Immunsystem nach harten Wettkämpfen, z.B. Marathon, Triathlon etc., angeschlagen ist?

Hier ist das sogenannte „open window“ angesprochen, was bedeutet: Nach einer solchen Belastung ist das Immunsystem reduziert, weshalb Entzündungen oder Infekte häufiger auftreten können. Der Körper muss dann in der Lage sein oder in diese versetzt werden, solche Belastungen zu ertragen, z.B. durch sinnvolles Training. Zum anderem muss das Zellmilieu optimiert sein, um das Immunsystem nicht „in die Knie gehen zu lassen“.

Es geht also darum, die richtige Regeneration zu finden?

So ist das, und auch hier haben wir Sportmediziner heutzutage viele Möglichkeiten. Ich möchte Sportler dazu bringen gesund zu bleiben. Gerade für Leistungssportler ist das immer wichtiger.

Und wenn es doch zu Verletzungen kommt?

Nehmen wir das Beispiel Sehnenreizungen, die ja häufig vorkommen. Da gibt es heute speziell im Bereich entzündlicher Veränderungen durch Übertraining sehr gute Biologika, die den Heilungsprozess unterstützen. Danach fragen Sportler heute immer mehr – sie hinterfragen nicht nur ihre Beschwerden, sondern auch die angebotenen Therapiemaßnahmen. Ich finde das richtig, denn es geht doch darum, dauerhaft besser zu werden. Nicht etwas Akutes einmalig behandeln und dann weiter machen wie bisher.

Woher rührt das Infragestellen medizinischer Grundsätze?

Bei vielen Menschen rückt immer mehr in den Fokus, dass wir nur ein Leben haben und dass insbesondere die Mobilität eine wichtige Rolle im heutigen Leben spielt. Die Leute werden insgesamt insbesondere hinsichtlich Spritzenbehandlung und Operationsverfahren kritischer und fragen, was sie sonst tun können, um gesünder zu werden. Eine gute Entwicklung!

Kann man auch nach operativen Eingriffen biologisch behandeln?

Operationen sind immer eine massive Belastung des Organismus. Deshalb halte ich biologische Behandlungen auch und gerade nach Operationen für sinnvoll und notwendig. Wenn wir in der Lage sind, die Rekonvaleszenzzeit nach notwendigen Operationen durch eine sinnvolle biologische Therapie zu reduzieren, kann der Patient (Sportler) schneller in seinen Sport zurück.